So, 05. Mai 2019 17.00 Uhr Stiftskirche zu Bassum ·

Orgelkonzert mit Fahrradkantor Martin Schulze

Auf Orgeltour

Der Fahrradkantor aus Frankfurt

Fahrradkantor Martin Schulze in der Dorfkirche des brandenburgischen Gosen an der Gebrueder-Dinse-Orgel.

Fahrradkantor Martin Schulze in der Dorfkirche des brandenburgischen Gosen an der Gebrueder-Dinse-Orgel.
Foto: epd / Anett Kirchner
 

Die Entfernungen sind für den gebürtigen Brandenburger längst kein Problem mehr. Neben ihm steht sein silbergraues Rad, das ihn quer durch Deutschland bringt, von Ost nach West, von Bayern bis zur Nordsee. In den Fahrradtaschen: Luftpumpe, Schraubenzieher, Ersatzschlauch und Landkarte. Aber da ist auch noch etwas anderes: Noten und „anständige Schuhe“. Denn Martin Schulze ist kein Profi- und auch nicht nur Hobby-Radler. Er ist freiberuflicher Kirchenmusiker.

Fahrrad und Kirchenmusik, für Martin Schulze passt das sehr gut zusammen. Er selbst nennt sich Fahrradkantor. Fast jeden Abend gibt er in einer anderen Stadt in Deutschland ein Orgelkonzert. Von einem Ort zum anderen fährt er mit dem Fahrrad. Seine Jahresbilanz: 120 bis 150 Konzerte, 15 000 zurückgelegte Kilometer. „Ja, das muss man schon wollen“, sagt Schulze.

Aufgewachsen ist er in der DDR in Erkner bei Berlin, mit dem Orgelspiel hat er schon als Junge begonnen. Als im Nachbarort ein Organist gesucht wurde, ist der 13-Jährige kurzerhand mit dem Klapprad dorthin gefahren und hat sich vorgestellt. Danach durfte er dort Gottesdienste musikalisch begleiten, so hat er die Anfänge in einem kleinen Buch beschrieben. Weil er in der DDR kein Abitur machen durfte, habe er zunächst eine Tischlerlehre angefangen.

Dann sei wegen einer flapsigen Bemerkung über den Staat knapp ein Jahr Haft dazwischengekommen. An ein Kirchenmusikstudium war deshalb lange nicht zu denken. Erst in der Wendezeit habe er im Herbst 1989 die Zulassung zum Kirchenmusikstudium in Greifswald bekommen, schreibt er. In der Zeit sei ihm neben dem Orgelspiel auch das Radfahren „zu einer Sucht geworden“.

Danach war Martin Schulze als Organist in Mecklenburg und Niedersachsen tätig. Den Titel Fahrradkantor haben ihm in seiner Zeit in Mecklenburg Kollegen verpasst. Als es seine Frau dann beruflich nach Frankfurt an der Oder zog, ging Martin Schulze mit. Seine Arbeitsstelle aber blieb zurück. „Es war klar, dass ich keine neue Stelle als Organist finden würde“, sagt er: „Die sind in Deutschland rar.“ Also hat er sich selbstständig gemacht, als freiberuflicher Kirchenmusiker. Acht Jahre ist das inzwischen her. Von Mai bis September dauert heute seine Fahrradkantor-Saison. Die restliche Zeit des Jahres ist er als Orgelsachverständiger im Einsatz und berät Gemeinden bei Reparaturen.

In Bassum macht Martin Schulze am Sonntag, 5. Mai 2019 Station und spielt ab 17.00 Uhr an der Becker-Orgel der Stiftskirche.